Presse

Gemeindeblatt Wernau, 10. März 2012 Ernst Leuze: 'Das Wunder von Wernau' (Auszüge)
... Fangen wir mit dem Wernauer Bürgermeister an: nicht nur dass Armin Elbl bei jedem Konzert von „Klassik im Quadrium“ da ist, er begrüßt auch Künstler und Besucher und findet jedes Mal ein geschliffenes Schlusswort, wie es treffender nicht sein könnte. So auch am vergangenen Sonntag beim Konzert des Ensembles TRIPLA, das mit drei Blockflöten und einer Sängerin mittelalterliche Kirchenmusik zur Passionszeit aufführte. 
Die bange Frage, ob sich diese uns so fremde Tonwelt in einem nüchternen Foyer überhaupt würde entfalten können, wurde schon mit den ersten Tönen völlig gegenstandslos. Ja, mehr noch, das Quadrium wurde zur Kathedrale, zum Akustiktempel, der alle Idealvorstellungen noch übertrifft. Die Flötenklänge schienen aus dem Raum selbst zu kommen, rund, voll und klar bis in die kleinste Nuance, unfassbar vollkommen. Unter diesen Bedingungen kann Musik zur Offenbarung werden ...
... TRIPLA hat uns nach minimalen „Erdenresten“ durchwegs himmlische Vollkommenheit geboten. Umso schöner, dass die individuellen Qualitäten der einzelnen Spieler auch im perfekten Zusammenspiel deutlich erkennbar blieben. Monika Tahiri als geistig und musikalisch führende Oberstimme mit perlendem Ansatz und makelloser Tonführung, Martin Hermann als Manager der Mittelstimme, immer hellwach die Balance des fragilen dreistimmigen Instrumentalsatzes garantierend, und Ingrid Gräbner als unerschütterlich zuverlässiges Fundament mit der Bassflöte, intelligent und hochmusikalisch. Die drei Instrumentalisten sind derart phänomenal aufeinander eingespielt, dass jede Oktave, selbst jeder Einklang zur Sensation wird. Und erst die Terzen: sie in Dur rein zu spielen, gehört inzwischen zum Standard in der alten Musikszene. Doch die extrem schwierig zu hörenden Moll-Terzen zu treffen, ist nur wenig begnadeten Musikern vergönnt. Bei TRIPLA in Wernau war es zu erleben, einen ganzen Abend lang. 
Sich in solch vollkommenes Zusammenspiel einzufügen, ist für eine Singstimme eigentlich unmöglich ...
... Der Sopranistin Gertrud Junker gelang dennoch das Unmögliche. Sie passte sich mit ihren extrem feinen Gehör perfekt in die aberwitzigen Stimmungskünste des Flötenensembles ein. Das macht ihr so schnell niemand nach ...
Ähnlich verhält es sich mit den Texten: Wenn in einem Passionsgottesdienst aus den Klageliedern des Jeremias gelesen wird, sorgt die Weihrauch-Aura für die Einhaltung der Schmerzgrenze. Wenn aber eine charismatische Rhetorin, wie Christa Schimpf, aus der Höhe die quälenden Worte rezitiert, geht jedes Klagelied unter die Haut. Da waren die Texte von Martin Buber und Gertrud von le Fort wesentlich leichter zu rezipieren, weil man sich auch an deren poetische Qualitäten halten konnte ... 
... In diesem Quadrium-Konzert stimmte einfach alles!, Selbst das Stück zeitgenössischer Musik von Laurent Jouvet, der eine Zeit lang im benachbarten Wendlingen lebte, und auf dessen Anregung sich TRIPLA überhaupt erst zusammen fand. Seine instrumentalen Passions- Stücke verarbeiten gregorianische Motive, sind der mittelalterliche Musik geistesverwandt und dabei unverkennbar individuell und zeitgemäß. Das Werk bewährte sich sogar in der Nachbarschaft von Josquin de Prez, dem „Bach des Mittelalters,“ mit dessen Missa „Ave maris stella“ das Konzert ausklang. Magische Momente, besonders die Schlusstakte, unvergesslich!


Der Teckbote, 28. September 2011 Gerhard Calaminus 'Musikalische Reise zu historischem Neuland'
Das Ensemble Tripla und Gertud Junker boten in der Martinskirche "Entdeckungen aus der Renaissance"
Kirchheim. Josquin de Prez (1440-1521), Guillaume Dufay (1400-1474) und Catarina da Bologna (1413-1463): War die Lebenszeit dieser Renaissance-Komponisten nicht auch diejenige, in der Kolumbus lebte, dessen Neugier ihn auf Entdeckerreise schickte? Das Konzert in der Martinskirche mit dem Ensemble Tripla führte mitten hinein in jene Zeit. Sei es, dass die Zuhörer gebannt waren vom ungewohnten Konzert-programm, sei es, dass das Umfeld in der Martinskirche ein zeitgenössisches Flair für jene Kompositionen zu vermitteln versprach - auf jeden Fall war die Neugier auf konzertante Renaissancemusik erfreulich.
Gleichzeitig muss man feststellen, wie wenig der heutige Konzertbetrieb Musik des 15. Jahrhunderts berücksichtigt. Überraschend, manchmal sogar fremd sind die Harmonien und reinen Klänge für den in dieser Musik noch unerfahrenen Hörer. Angesichts dessen weiß man nicht, was man mehr bewundern soll: den Mut des Ensembles Tripla für die Musikwahl oder den Mut des Publikums zum Konzertbesuch an diesem Spätsommerabend.
Monika Tahiri, Martin Hermann und Ingrid Gräbner auf verschiedenen Consortblockflöten sowie die Singstimme von Gertrud Junker zeigten bereits zu Beginn anhand dreier Hymnen der Catarina da Bologna, wie die Stimmen miteinander verwoben, einander zugeordnet, einander folgend oder kontrapunktisch hinzugefügt wurden. Gleich mit diesem Einstieg nahm das Ensemble die Hörer mit auf Entdeckerreise.
Das nicht hörbare, sondern nur sichtbare Wechseln der Instrumente während eines Kompositionsteils -aus klanglichen Gründen oder wegen des Tonumfangs - ist dabei eine Kunst, die die Mitglieder dieses Ensembles meisterlich beherrschen. Die Besetzung der Stücke mit Singstimme und drei Consortblockflöten erfordert darüber hinaus eine Abstimmung von Lautstärke, Dynamik und Timbre, die ihre Höchst-schwierigkeiten dort offenbart, wo die Singstimme in der Höhe naturgemäß lauter wird als die Stimmen der Instrumente. Trotz der Durchsichtigkeit der Stimmen war oft besonders bei sehr leisen Stellen nicht zu unterscheiden, was Stimme und was Instrument war - ein eindrucksvoller Effekt, der die Homogenität dieses Ensembles zeigt.
Guillaume Dufays und Josquin de Prez' Werke folgten wie Schulbeispiele für die Kompositionsweise im 15. Jahrhundert. Dufays Leistung als burgundischer Komponist besteht in der Weiterentwicklung der lateinischen Messe durch Verbindung spätmittelalterlicher Musik mit Kompositionen der Renaissance. Besonders in den drei Teilen seiner wohl berühmtesten Messe „Ave regina caelorum" sowie drei weiteren Kompositionen waren - bei aller Virtuosität insbesondere der Singstimme - die Durchsichtigkeit und das Klangbild im Kirchenraum ein besonderes Anliegen der vier Solisten.
Von Josquin de Prez hatten die Künstler Teile der berühmtesten Messe ins Programm genommen. Die außerordentliche Fülle erfindungsreicher Ideen in Kyrie, Gloria, Credo, Sanctus und Agnus Dei nahm das Ensemble auf. Das - gegenüber Kompositionen früherer Meister - weniger sequentorische, die vielmehr konsequent durchgeführte Zwei- bis Vierstimmigkeit vermittelte eine zusätzliche Spielfreude, die sich auf Spannung und Aufmerksamkeit des Publikums übertrug.
Ein zwischen die einzelnen Konzertteile geschobenes „Alleluja" im gregorianischen Stil, souverän gesungen von Gertrud Junker, sowie verschiedene biblische Texte und Legenden, ausdrucksvoll gelesen von Christa Schimpf, waren kontemplatorische Pausen im Ablauf des Konzerts.
Dass sich die unerwartet große Zahl der Zuhörer im Chor der Martinskirche auch in Zukunft weitere Konzerte mit Kompositionen der Renaissance und dem Ensemble Tripla wünscht, kam nach dem letzten Ton durch lang anhaltenden Beifall zum Ausdruck.

Der Teckbote, 1.Oktober 2010 Ernst Leuze 'Engelsgleiches Klangerlebnis'
Tripla, Gertrud Junker und Christa Schimpf verzaubern Publikum
Wendlingen-Bodelshofen. „Aller guten Dinge sind drei", sagt das Sprichwort. Daran gemessen müsste „Tripla", so der Name eines Blockflötentrios mit den Kirch-heimern Martin Hermann und Ingrid Gra-ebner sowie Monika Tahiri aus Waiblingen, automatisch etwas Gutes sein. Aber gut ist viel zu wenig gesagt: Die drei Musiker sind einfach hervorragend. Wenn sie spielen, kann man alles vergessen, was man seither von Blockflötenensembles gehört hat.
Das beginnt schon mit den Instrumenten. Es sind hochspezialisierte Renaissanceflöten in einer hochspezialisierten Stimmung, der sogenannten mitteltönigen. Solche Flöten spielen können wiederum nur extrem gute Musiker, die mit den Finessen dieses alten Stimmsystems umgehen können. Und es bedarf auch einer Zuhörerschaft mit viel Sachkenntnis und Enthusiasmus. Und daran hat es wahrlich nicht gefehlt am vergangenen Sonntag in der Jakobskirche Bo-delshofen.
Kantor Walter Schimpf, der Organisator des denkwürdigen Konzertes, konnte strahlend ein übervolles Haus begrüßen. Den besonderen Kennern im Auditorium war indessen etwas beklommen zumute. Wie würden die hochsensiblen Instrumente mit der zunehmenden Schwüle zurechtkommen, wie würden die Spieler nach der Probe im leeren halligen Raum auf die nun gänzlich fehlende Akustik reagieren, und wie würde die Sängerin, Gertrud Junker (Kirchheim), dem zunehmenden Sauerstoffmangel standhalten können?
Nach den ersten Tönen durfte man sich sogleich entspannt zurücklehnen: Die klaren Töne der Instrumente schafften sich mühelos Raum und die von der Sopranistin
gesungene Gregorianik klang lebendiger als in mancher halligen Kathedrale. Im Zusammenwirken mit Tripla setzte Gertrud Junker noch eins drauf: Gar nie ließ sie sich auch bei den schwindelerregendsten rhythmischen Eskapaden den Schneid abkaufen und passte sich überdies so vollendet an das Klangbild der Instrumente an, dass die Zuhörer oft kaum mehr unterscheiden konnten zwischen Flötentönen und Gesang.
Und das war noch nicht alles: Als Flöten-virtuosin von hohen Graden, die sie neben ihrem Singen auch ist, vermag sie die Flötenklänge gehörsmäßig so gut zu erfassen, dass sie auch die mitteltönige Stimmung mit ihren reinen Dur- und Moll-Terzen perfekt beherrscht. Dadurch erklangen Akkorde in engelsgleicher Reinheit. Unver-gesslich!
Apropos Engel: Ihnen war das Konzert in der Zeit um das Michaelisfest inhaltlich gewidmet. Christa Schimpf las ausgewählte Stellen aus der Bibel und verschiedenen Legenden. Die begabte Rhetorin fand einmal mehr den rechten Ton zwischen Pathos und Verinnerlichung. Sie schaffte es, die antike und mittelalterliche Vorstellungswelten zugleich entrückt und vertraut zu machen und vor allem in Beziehung zu setzen mit der Musik und dem auratischen Raum der uralten Jakobskirche.
Mit dem Hinweis auf das einmalige Ensemble der Stockhausen-Glasfenster, die einen Zeitraum von fast 50 Jahren umfassen, wurden die Besucher in ihre private Welt entlassen. Die Musik der beiden mittelalterlichen Komponisten Guillaume Du-fay und Josquin Desprez begleitete sie elegant und versonnen wie ein guter Engel.


Sindelfinger Zeitung, 3. November 2005 Alexander Walther 'Gregorianik neben der Volksmusik'
Sindelfingen: Flötenensemble Tripla gastiert mit der Sängerin Gertrud Junker auf dem Goldberg
Musik im Zeichen von Mystik und Zahl stand im Mittelpunkt des Sindelfinger Goldberg-Konzerts mit Gertrud Junker (Gesang) und dem Flötenensemble Tripla mit Monika Tahiri, Martin Hermann und Ingrid Gräbner.
Gleich zu Beginn kam bei Guillaume Du-fays Missa „Caput" die geheimnisvolle Schwelle von der Spätgotik zur Renaissance zum Vorschein, die die klangtechnische Qualität   des   Ensembles   dokumentierte. Französische Elemente korrespondierten bei den einzelnen Sätzen mit italienischen und von der jungen burgundischen Musik inspirierten Passagen.
Hildegard von Bingens „De sanctus Maria" überzeugte ebenfalls aufgrund einer ausgesprochen sensiblen Durchdringung des feinen harmonischen Gewebes. Gertrud Junker machte die kunstvolle Synthese von Gregorianik und Volksmusik facettenreich deutlich. Der Charakter mittelalterlicher Weltanschauung kam hier eindrucksvoll zur Geltung. Motive erschienen dabei als vollkommener Rhythmus und spiegelten wirkungsvoll die Harmonie von Dualität. Die Spiritualität der Komposition kam in Gertrud Junkers Passagen deutlich zum Ausdruck.
Interessant war zudem die Begegnung mit der thematisch vielgestaltigen „Messe de Tournai" eines anonymen Meisters aus dem Jahre 1323. Hier verdichtete sich das Klangbild in einer intensiven Weise und fächerte sich immer weiter auf. Die Verbindung von Mystik und Zahl zeigte sich bei den einzelnen Sätzen von einer ungewöhnlich ausdrucksstarken Seite. Das Klangbild erreichte dabei markante Dimensionen, die einzelnen Satzketten gingen nahtlos ineinander über. Die weibliche Spiritualität Hildegard von Bingens wich bei diesem Werk einer betont männlichen Satzstruktur.