Der Teckbote 2010

Ernst Leuze 1.Oktober 2010  'Engelsgleiches Klangerlebnis'
Wendlingen-Bodelshofen. Tripla, Gertrud Junker und Christa Schimpf verzaubern Publikum
„Aller guten Dinge sind drei", sagt das Sprichwort. Daran gemessen müsste „Tripla", so der Name eines Blockflötentrios mit den Kirch-heimern Martin Hermann und Ingrid Gra-ebner sowie Monika Tahiri aus Waiblingen, automatisch etwas Gutes sein. Aber gut ist viel zu wenig gesagt: Die drei Musiker sind einfach hervorragend. Wenn sie spielen, kann man alles vergessen, was man seither von Blockflötenensembles gehört hat.
Das beginnt schon mit den Instrumenten. Es sind hochspezialisierte Renaissanceflöten in einer hochspezialisierten Stimmung, der sogenannten mitteltönigen. Solche Flöten spielen können wiederum nur extrem gute Musiker, die mit den Finessen dieses alten Stimmsystems umgehen können. Und es bedarf auch einer Zuhörerschaft mit viel Sachkenntnis und Enthusiasmus. Und daran hat es wahrlich nicht gefehlt am vergangenen Sonntag in der Jakobskirche Bo-delshofen.
Kantor Walter Schimpf, der Organisator des denkwürdigen Konzertes, konnte strahlend ein übervolles Haus begrüßen. Den besonderen Kennern im Auditorium war indessen etwas beklommen zumute. Wie würden die hochsensiblen Instrumente mit der zunehmenden Schwüle zurechtkommen, wie würden die Spieler nach der Probe im leeren halligen Raum auf die nun gänzlich fehlende Akustik reagieren, und wie würde die Sängerin, Gertrud Junker (Kirchheim), dem zunehmenden Sauerstoffmangel standhalten können?
Nach den ersten Tönen durfte man sich sogleich entspannt zurücklehnen: Die klaren Töne der Instrumente schafften sich mühelos Raum und die von der Sopranistin
gesungene Gregorianik klang lebendiger als in mancher halligen Kathedrale. Im Zusammenwirken mit Tripla setzte Gertrud Junker noch eins drauf: Gar nie ließ sie sich auch bei den schwindelerregendsten rhythmischen Eskapaden den Schneid abkaufen und passte sich überdies so vollendet an das Klangbild der Instrumente an, dass die Zuhörer oft kaum mehr unterscheiden konnten zwischen Flötentönen und Gesang.
Und das war noch nicht alles: Als Flöten-virtuosin von hohen Graden, die sie neben ihrem Singen auch ist, vermag sie die Flötenklänge gehörsmäßig so gut zu erfassen, dass sie auch die mitteltönige Stimmung mit ihren reinen Dur- und Moll-Terzen perfekt beherrscht. Dadurch erklangen Akkorde in engelsgleicher Reinheit. Unver-gesslich!
Apropos Engel: Ihnen war das Konzert in der Zeit um das Michaelisfest inhaltlich gewidmet. Christa Schimpf las ausgewählte Stellen aus der Bibel und verschiedenen Legenden. Die begabte Rhetorin fand einmal mehr den rechten Ton zwischen Pathos und Verinnerlichung. Sie schaffte es, die antike und mittelalterliche Vorstellungswelten zugleich entrückt und vertraut zu machen und vor allem in Beziehung zu setzen mit der Musik und dem auratischen Raum der uralten Jakobskirche.
Mit dem Hinweis auf das einmalige Ensemble der Stockhausen-Glasfenster, die einen Zeitraum von fast 50 Jahren umfassen, wurden die Besucher in ihre private Welt entlassen. Die Musik der beiden mittelalterlichen Komponisten Guillaume Du-fay und Josquin Desprez begleitete sie elegant und versonnen wie ein guter Engel.